Meine Zwischenzeit - und was bleibt, wenn es wieder losgeht.
Am 30.09. endet meine Zwischenzeit. Sie war nicht ganz freiwillig. Und vielleicht war genau das der Punkt. Ich hätte mir das so nicht geplant. Ich mag Pläne. Ich mag Struktur. Ich mag das Gefühl, dass Dinge Sinn ergeben. Aber das Leben lacht über Pläne – nicht, weil es böse ist, sondern weil es lebendig ist. Und irgendwann stehst du da und merkst: Jetzt ist Pause. Nicht als Wellness-Programm. Sondern als Realität.
Ich habe diese Monate genutzt. Nicht perfekt. Nicht geschniegelt. Aber echt. Ich habe geschrieben. Zwei Thriller: LIMIT und Clearing.
Das klingt nach „Produktivität“. Aber für mich war es eher ein Beweis, dass etwas in mir weiterläuft, auch wenn außen gerade nichts läuft. Schreiben ist für mich kein Hobby. Es ist eine Art, Ordnung in Chaos zu bringen, ohne so zu tun, als wäre alles kontrollierbar.
Ich habe Coaching gemacht. Nicht, um mich zu optimieren. Sondern um mich zu verstehen. Um die Muster zu sehen, die ich sonst so gut erklären kann – aber selten wirklich fühle. Ich habe Dinge über mich gelernt, die nicht bequem waren. Und genau deshalb waren sie wertvoll.
Und ich habe etwas gemacht, das viel weniger spektakulär klingt – aber wahrscheinlich am meisten verändert:
Ich habe Sport gemacht. Viel. Nicht als „Projekt“. Nicht als Selbstbestrafung. Sondern als Routine. Als Anker. Als Beweis, dass ich mich ernst nehme. Ich habe neue Abläufe gebaut. Kleine, wiederholbare Dinge, die nicht nach Motivation fragen.
Ich habe gelernt, gesünder zu arbeiten. Nicht mehr alles auf Druck. Nicht mehr alles auf „noch schnell“. Sondern mit Pausen, mit klareren Grenzen, mit einem Rhythmus, der mich nicht ausbrennt. Ich habe gemerkt: Produktivität ist nicht, wie viel du schaffst. Sondern wie lange du dich dabei nicht verlierst.
Und ich habe wieder besser genossen. Nicht als Belohnung am Ende. Sondern als Teil des Tages. Ein gutes Essen ohne nebenbei Mails. Ein Spaziergang ohne Ziel. Ein Kaffee, der einfach nur Kaffee ist. Genuss ist keine Schwäche. Genuss ist Präsenz.
Ich habe eine Satire aufgebaut. Erst als Comic. Dann als Zeichentrickfilm. Das war mein Gegenpol. Wenn du lange genug in Systemen gearbeitet hast, erkennst du irgendwann die Theaterstücke: die Buzzwords, die Folien, die Selbstberuhigungsrituale. Satire ist für mich keine Häme. Satire ist ein Spiegel. Und manchmal ist Lachen die ehrlichste Form von Klarheit.
Und dann war da noch etwas, das schwerer zu greifen ist:
Ich habe gelernt, dass eine Zwischenzeit nicht nur bedeutet, weniger zu tun. Sie bedeutet, weniger zu fliehen.
Weniger Ablenkung. Weniger „ich bin beschäftigt“. Weniger Rollen. Mehr Stille.
Und Stille ist kein Luxus. Sie ist ein Raum. In diesem Raum passiert etwas Merkwürdiges: Du merkst, was wirklich deins ist. Und was du nur mitgetragen hast, weil du dachtest, du musst.
Regret Nothing heißt für mich am Ende dieser Zwischenzeit nicht: „Alles war super.“
Es heißt: Ich nehme es an. Ich nehme an, dass es nicht ganz freiwillig war. Ich nehme an, dass es trotzdem gut war. Ich nehme an, dass ich jetzt anders zurückkomme.
Nicht als neue Version von mir. Sondern als ehrlichere.
Und wenn es am 01.10. wieder losgeht, dann will ich nicht einfach nur weitermachen.
Ich will bewusster wählen. Weniger „passt schon“. Mehr „passt wirklich“.
Weniger festhalten. Mehr Vertrauen.
Weil Sicherheit nicht durch Kontrolle entsteht. Sondern durch die Fähigkeit, weiterzugehen – auch wenn du nicht alles weißt.

