Loslassen klingt einfach. Bis du es wirklich tust.

Ich habe einmal eine Geschichte gelesen, die ich nie wieder vergessen habe: Ein Affe greift in eine Kokosnuss, in der Reis liegt. Er packt zu – und bekommt die Faust nicht mehr heraus. Er könnte jederzeit loslassen und wäre frei. Aber er hält fest. Und bleibt gefangen. So banal. So menschlich.

Loslassen ist kein großes Konzept. Es ist eine Entscheidung in Sekunden. Und trotzdem ist es für viele von uns die schwerste Übung überhaupt. Weil wir nicht nur Dinge festhalten. Wir halten Erwartungen fest. Kontrolle. Gewohnheiten. Rollenbilder. Und manchmal halten wir sogar Sorgen fest, als wären sie ein Beweis dafür, dass wir uns kümmern.

Auf Reisen wird das sichtbar. Du kannst nicht alles kontrollieren. Du kannst nicht alles planen. Und du kannst auch nicht verhindern, dass dich ein Gedanke plötzlich erwischt – im Taxi, im Hotelzimmer, beim Kaffee, mitten in einer fremden Stadt. Gedanken kommen. Das ist ihr Job. Aber du musst ihnen nicht folgen. Du musst sie nicht füttern. Du kannst sie auch einfach vorbeiziehen lassen wie Wolken.

Das klingt leichter, als es ist. Ich weiß. Ich habe Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Und ich übe immer noch. Aber ich habe gelernt: Loslassen ist nicht „egal sein". Loslassen ist nicht kalt. Es ist eher ein inneres Aufhören, gegen das Unvermeidliche zu kämpfen. Du nimmst wahr, was da ist – und du hörst auf, es mit Gewalt zu biegen.

Und manchmal hilft ein Satz, der erst mal absurd klingt: „Lächle deine Sorge an." Nicht, weil sie lustig ist. Sondern weil du ihr damit die Macht nimmst, dich komplett zu besitzen. Du sagst: „Ich sehe dich. Aber du bist nicht mein Chef." Das verändert alles. Nicht sofort. Aber mit der Zeit.

Regret Nothing heißt hier: nicht alles festhalten müssen, um sicher zu sein. Sicherheit entsteht nicht durch Kontrolle. Sie entsteht durch Vertrauen – in dich, in deinen Umgang mit dem Ungeplanten, in deine Fähigkeit, weiterzugehen. Auch wenn du nicht weißt, wohin.

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Alleinsein ist kein Mangel. Es ist ein Raum.

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Heimat ist kein Ort. Heimat ist ein Gefühl.