Clearing
Jede Schuld wird beglichen.
Die Hauptfiguren
Thomas Varga – Der Protagonist
Mitte 50, Director of Product Management. Drei Jahrzehnte in der Branche. Kennt jeden, weiß alles, sagt wenig. Zynisch, aber nicht kalt. Müde, aber nicht gebrochen. Ein Mann, der eigentlich aussteigen wollte – und jetzt tiefer drinsteckt als je zuvor.
Der Killer (Name wird erst spät enthüllt)
Auf den ersten Blick: erfolgreich, charmant, respektiert. Einer, der auf jeder Konferenz Hände schüttelt und auf jeder Weihnachtsfeier die beste Rede hält. Aber darunter: eine Leere. Eine Kälte. Und eine Liste von Menschen, die „bezahlen" müssen.
Sandra Voss – Die Journalistin
Investigativ-Reporterin bei einem Wirtschaftsmagazin. Jung, hungrig, furchtlos. Sie recherchiert zu Unregelmäßigkeiten in der Payment-Branche – und kreuzt Vargas Weg. Verbündete oder Gefahr? Beides.
Marcus Breitner – Der CEO
Chef eines der größten Payment-Dienstleister. Glatt, politisch, undurchschaubar. Er weiß mehr, als er zugibt. Die Frage ist: Schützt er den Killer? Oder ist er das nächste Opfer?
Elena Varga – Die Ex-Frau
Geschieden, aber noch verbunden. Sie kennt Thomas besser als jeder andere. Und sie warnt ihn: „Hör auf zu graben. Manche Wahrheiten sind es nicht wert." gründen.
Eine Thriller-Serie in 6-8 Episoden. Jede Episode ist in sich abgeschlossen (ein Fall, ein Opfer, ein Puzzlestück), aber zusammen erzählen sie eine größere Geschichte: die Jagd auf einen Killer, der aus dem Inneren der Payment-Industrie tötet.
Die Leiche lag im Zimmer 714 des Steigenberger Frankfurter Hof. Nicht dramatisch. Nicht inszeniert. Einfach nur da – auf dem Bett, in Anzughose und aufgeknöpftem Hemd, als hätte er sich kurz hinlegen wollen. Die Augen geschlossen. Der Mund leicht geöffnet. Fast friedlich, wenn man nicht wusste, dass er vor zwölf Stunden noch auf der Bühne der Payment & Banking Konferenz gestanden und über die Zukunft des kontaktlosen Bezahlens gesprochen hatte.
Sein Name war Philipp Reiter. 34 Jahre alt. Senior Sales Manager bei einem der größten Payment-Prozessoren Europas. Ein Aufsteiger. Ein Macher. Einer von denen, die in Meetings immer das letzte Wort haben und auf Konferenzen immer die besten Kontakte machen. Die Sorte Mensch, die andere entweder bewundern oder hassen. Meistens beides.
Der Hotelarzt sprach von Herzversagen. Selten, aber nicht unmöglich. Stress, sagte er. Die Branche, sagte er. Junger Mann, hoher Druck, zu viel Kaffee, zu wenig Schlaf. Es passiert.
Die Polizei nahm es auf. Routiniert. Keine Fremdeinwirkung. Keine Spuren. Keine Fragen.
Nur Thomas Varga hatte Fragen.
Er stand am Fenster des Konferenzraums im Erdgeschoss, einen kalten Kaffee in der Hand, und beobachtete, wie der Leichenwagen vom Hotelparkplatz fuhr. Draußen regnete es – dieser feine, graue Novemberregen, der sich in Frankfurt anfühlt, als würde die Stadt selbst weinen. Oder vielleicht auch nur gleichgültig zusehen.
Varga kannte Reiter. Nicht gut, aber gut genug. Sie hatten am Vorabend zusammen an der Bar gesessen. Reiter hatte Champagner bestellt – „Auf den Deal", hatte er gesagt, ohne zu erklären, welchen Deal er meinte. Er hatte gelacht, zu laut, wie immer. Hatte Namen fallen lassen, die beeindrucken sollten. Hatte angedeutet, dass er Dinge wusste, die andere nicht wussten.
„Du solltest vorsichtig sein", hatte Varga gesagt. Nicht als Warnung. Eher als Beobachtung.
Reiter hatte nur gegrinst. „Vorsicht ist was für Leute, die nichts zu gewinnen haben."
Das war um 23:47 Uhr gewesen. Varga erinnerte sich an die Uhrzeit, weil er auf sein Handy geschaut hatte, bevor er ging. Müde. Zu alt für diese Spiele.
Um 6:23 Uhr am nächsten Morgen war Philipp Reiter tot.
Herzversagen.
Varga trank seinen kalten Kaffee aus und stellte die Tasse auf den Fenstersims. Draußen fuhr ein Taxi vor. Geschäftsleute stiegen aus, Rollkoffer im Schlepptau, Badges um den Hals. Die Konferenz ging weiter. Der Tod eines Mannes war ein Programmpunkt, der nicht im Zeitplan stand – also wurde er ignoriert.
So funktionierte diese Branche. So funktionierte diese Welt.
Aber Varga konnte Reiters Worte nicht vergessen. Nicht das Grinsen. Nicht den Champagner. Sondern das, was er kurz vorher gesagt hatte, fast beiläufig, zwischen zwei Schlucken:
„Weißt du, was das Schöne an unserer Branche ist, Thomas? Jeder hat Dreck am Stecken. Jeder. Man muss nur wissen, wo man graben muss."
Varga hatte nicht gefragt, was er meinte. Vielleicht hätte er es tun sollen.
Drei Tage später saß er in seinem Büro im Westend und starrte auf eine E-Mail, die er nicht hätte bekommen sollen. Sie war an Reiter adressiert gewesen – und versehentlich an den falschen Verteiler gegangen. Ein Fehler im System. Ein Klick zu viel.
Der Betreff lautete: „Re: Clearing – Liste aktualisiert"
Der Inhalt war leer. Nur ein Anhang. Eine PDF-Datei.
Varga öffnete sie.
Eine Liste. Sieben Namen. Keine Erklärung. Keine Überschrift.
Der erste Name war durchgestrichen: Philipp Reiter.
Der fünfte Name war seiner.
Varga lehnte sich zurück. Sein Herz schlug ruhig – zu ruhig, dachte er. Als hätte ein Teil von ihm immer gewusst, dass dieser Moment kommen würde. Dass diese Branche irgendwann ihre Rechnung präsentieren würde.
Er schloss die Datei. Dann öffnete er sie wieder.
Sieben Namen. Einer tot. Sechs übrig.
Und er war einer von ihnen.
Draußen wurde es dunkel. Die Lichter der Frankfurter Skyline gingen an, eins nach dem anderen, wie ein Versprechen, das niemand halten würde. Varga stand auf, ging zum Fenster und schaute hinaus auf die Stadt, die er seit fast dreißig Jahren sein Zuhause nannte.
Irgendwo da draußen war jemand, der eine Liste führte. Jemand, der Philipp Reiter getötet hatte – leise, sauber, ohne Spuren. Jemand, der wusste, wo die Leichen lagen. Im übertragenen Sinne. Und jetzt, offenbar, auch im wörtlichen.
Varga hatte zwei Möglichkeiten: wegsehen oder graben.
Er dachte an Reiters Worte. An das Grinsen. An den Champagner.
Dann dachte er an seinen eigenen Namen auf dieser Liste.
Er griff zum Telefon.
Fortsetzung folgt……

